Pinky

Die Pinky sagt auch endlich mal Hallo!

Lange hat es gedauert. Denn ob Pinky so richtig „glücklich vermittelt“ ist, wer weiß das schon? Sie ist nach wie vor ein ziemliches Nervenbündel. Aber dabei auch aufmerksam und treu.

Wir warten nach über einem Jahr immer noch geduldig darauf, daß sich ihre Nervosität legt. Ihre Schreckhaftigkeit hat sich ein wenig gebessert. Motorenlärm, Handwerker und Kindergeschrei stören sie nicht, doch wenn eine Tür schleift oder ein Stuhl knackt, duckt sie sich oder macht entsetzt einen Sprung zur Seite. Ihren Spitznamen hatte sie daher gleich bei uns weg: Sie ist unsere Kinky-Pinky.

 

Leicht hatte sie es offenbar im Leben nicht. Sie galt schon im Tierheim als eine rechte Einzelgängerin. Sie war so gestört, dass sie dauernd an ihrem Fell rupfen musste, bis sich kahle Stellen zeigten. Zweimal nahm sich die Lünepost ihrer an. Aber eine alte Katze hat nicht so gute Aussichten auf eine Vermittlung wie eine junge.

Als Katzenkuschlerin beschloss ich im September 2015: So ging das einfach nicht weiter! Also bat ich, sie zu uns holen zu dürfen, damit sie wieder ein freieres Leben führen könnte. Ein Hindernis war dabei unsere etwa gleich alte Katze Bouboule. Die war es gewohnt, uns Menschen ganz allein für sich zu haben, seit ihre Schwester und der blinde Kater Carli gestorben waren. Pinky bekam also eine längere Probezeit verordnet, in der sich zeigen sollte, ob die beiden sich vertragen könnten. Und siehe da: Es gab nach anfänglichem Gezicke genügend Platz für beide. Pinky vergnügte sich meist auf dem Balkon als sicherem Aussichtsposten, nachdem sie voller Freiheitsdrang die Türdichtung schon mal zerlegt hatte. Sie kannte die Benutzung der Katzenklappe ja aus dem Tierheim und fand schnell heraus, wie sie in den Garten hinunterspringen und wieder heraufkommen konnte, um in einem der Katzeniglus ungestört zu schlafen. Im Garten konnte man auch mal eine Maus fangen oder ratzfatz auf einen Baum klettern.

Das konnte die andere Katze schon nicht mehr. Pinky kam brav immer zurück, wenn man die Tür öffnete und nach ihr sah. Bei guter Stimmung setzte sie sich dann auch mal auf Frauchens Bauch und schnurrte, so dass die Hoffnung wuchs, dass sie in ihrem neuen Heim langsam entspannter leben könnte. An ihrem Fell zunzelte sie nur noch wenig herum. Es ist dicht und weich nachgewachsen.

Großer Erfolg: Sie hat 2016 die Reise in den Sommerurlaub in Frankreich mitgemacht und lief dort als Begleiterin im Gelände frei mit, als ich dort nach einem Unfall im Rollstuhl herumfuhr.

Dann starb vor drei Monaten die Bouboule nach schwerer Krankheit. Pinky scheint ihre anfangs beargwöhnte Konkurrenz noch zu suchen. Bei fremden Geräuschen macht sie große Augen und hält nach ihr Ausschau. Besonders rührend ist aber für uns: Immer wenn wir jetzt nach Hause kommen, hat sie sehr viel zu „erzählen“ und holt sich die versäumten Streicheleinheiten. Für uns heißt das: Auch eine alte, verstörte Katze kann sich noch neu eingewöhnen und sich freuen.

Danke für das Vertrauen, liebes Tierheim-Team, Pinky ist wohl doch „glücklich vermittelt“,

meint

Kinky-Pinky mit ihren Menschen Klaus und Marion aus Ochtmissen