Adventskalender – Tag 3

Wir finden: Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum. Dazu haben wir diese Geschichte von einem unbekannten Verfasser gefunden. So oder so ähnlich geschieht sie jedes Jahr an vielen Orten…

Es war an einem Abend in der Adventszeit. Die Stadt erstrahlte im Glanz tausender Lichter und viele Menschen waren unterwegs, um noch letzte Geschenke einzukaufen, denn schon bald sollten alle Gaben unter dem geschmückten Tannenbaum liegen. So viele Menschen waren unterwegs, aber niemand beachtete die hinkende Katze und den alten Hund an ihrer Seite. Die beiden hatten sich erst vor ein paar Tagen kennengelernt, als sie hungrig und frierend durch die Straßen zogen und an den Imbissständen um Futter bettelten — aber nur selten fiel ein Happen herunter. Nun fing es an zu schneien. Trotz knurrendem Magen mussten sich Hund und Katze einen schützenden Ort für die Nacht suchen. Am Hintereingang eines großen Kaufhauses stand ein verlassener Pappkarton. Hungrig und erschöpft krochen die beiden hinein und schmiegten sich eng aneinander, damit sie die Kälte nicht so spürten.

Obwohl sie so müde waren, konnten sie nicht einschlafen. „Nun ziehen wir schon einige Tage gemeinsam los, aber wir wissen noch, nicht einmal unsere Namen“, sagte der Hund. Also: „Ich heiße Oskar.“ „Und ich bin Molly“, stellte sich die Katze vor.

In den Straßen wurde es still. Die Läden waren geschlossen, die Menschen nach Hause zu Wärme und Kerzenschein gegangen. Nur leises Weinen von Molly war zu hören. Behutsam leckte ihr Oskar die Tränen vom Gesicht. „Warum weinst du, Molly?“ „Miau, vor Jahren war ich einmal ein tolles Weihnachtsgeschenk. Als geschmückte Weihnachtsüberraschung für ein kleines Mädchen saß ich unter dem Tannenbaum. Aber es war ein verwöhntes Mädchen, das in mir nur ein Spielzeug sah und so war die Freude nur von kurzer Dauer. Ein paar Wochen nach Weihnachten flog ich auf die Straße.“

„Mir erging es ähnlich“, erinnerte sich Oskar. „Ich war das umjubelte Weihnachtsgeschenk von zwei kleinen Jungen. Auch ich verbrachte eine schöne Zeit, bis man genug von mir hatte und mich sogar schlug. Da bin ich lieber abgehauen. Es ist so schön, dass ich dich kennengelernt habe, Molly. Jetzt fühle ich mich weniger allein.“ Und Molly sagte: „Oskar, du bist ein ganz besonderer Hund.“

Oskar und Molly kuschelten sich in ihrem armseligen Pappkarton eng aneinander. Sie spürten die Kälte nicht mehr – wahrscheinlich deswegen, weil sie glücklich waren, nicht mehr allein zu sein. Schon etwas schläfrig fragte Molly ihren Freund Oskar, ob auch in diesem Jahr wieder viele Tiere unter dem Weihnachtsbaum sitzen werden, „Es wird sich auch in diesem Jahr nichts ändern und wieder werden viele Hunde und Katzen auf der Straße landen, ins Tierheim abgeschoben oder umgebracht“, antwortete Oskar. Molly antwortete nicht mehr – sie war fest eingeschlafen. Bevor Oskar die Augen zufielen, murmelte er noch: „Molly, du bist mein schönstes Weihnachtsgeschenk.“