Jungvögel brauchen nicht unbedingt Hilfe (mit Video)

Seit einiger Zeit werden bei uns fast täglich Jungvögel abgegeben. Einige sind bei dem großen Sturm vor ein paar Tagen aus dem Nest gefallen und werden bei uns gerade aufgepäppelt. Doch nicht jeder Jungvogel braucht Hilfe. Hier erfahren Sie, wann sie handeln sollten und wann nicht.

Nestflüchter

Diese Vögel verlassen das elterliche Nest, bevor sie fliegen können. Sie verfügen bereits über ein erstes Daunengefieder. Die Vogelkinder bleiben nicht zusammen, sondern verteilen sich über ein gewisses Gebiet. Das bietet Schutz vor natürlichen Feinden. Mit den Eltern bleiben sie über Lock- und Bettelrufe in Verbindung und werden auch noch regelmäßig gefüttert. Die bekanntesten Nestflüchter sind Hühner, Enten, Gänse, Schwäne und Kranichvögel.

Ästlinge

Sie verlassen ebenfalls das Nest der Eltern, bevor sie flügge sind und sitzen – wie der Name schon sagt – auf Ästen. Auch diese Vogelkinder werden von den Eltern regelmäßig versorgt. Zu dieser Gruppe gehören fast alle unsere heimischen Singvögel, wie Amseln, Meisen, Finken oder Drosseln, aber auch Rabenvögel, Segler, Eulen und Greifvögel. Ästlinge haben bereits ihr Federkleid und können manchmal sogar schon kurze Strecken fliegen. Sie sind aber noch nicht in der Lage, sich vollständig selbst zu versorgen – dabei helfen ihnen die Eltern, die sie meist gut im Blick haben, bzw. mit denen sie über Rufe kommunizieren.

Bei drohender Gefahr flüchten Ästlinge nicht, sondern versuchen, sich durch Bewegungslosigkeit zu tarnen. Sitzen sie z. B. in einer Hecke, gelingt ihnen das meist auch gut. Werden sie von Kindern oder Menschen entdeckt, die sie von ihrem Ast wegnehmen, verursacht das so große Angst, das die meisten von ihnen tatsächlich vor Angst sterben. Wenn Sie einen Ästling ungeschützt am Boden finden, reicht es meist, ihn so nah wie möglich an eine geschützte Stelle zu setzen. Die Berührung ist dabei kein Problem – Vogeleltern lehnen ihre Kinder nicht ab, wenn sie von Menschen berührt wurden, wie man das z. B. von Rehkitzen kennt.

Nestlinge

Wenn Sie einen Jungvogel auf dem Boden finden, der noch fast nackt und vollkommen hilflos ist, dann ist Ihre Hilfe erforderlich. Bevor Sie ihn jedoch ins Tierheim bringen, schauen Sie genau nach, ob sie nicht das Nest finden, aus dem er gefallen ist. Denn dort hat er die größten Überlebens-Chancen. Haben Sie das Nest gefunden, dann passen Sie einen Moment ab, in dem die Elternvögel beide abwesend sind und setzen Sie ihn zurück ins Nest. Wenn die Eltern zurück kommen, werden Sie ihn füttern und wärmen.

Wenn das Nest aber zerstört wurde, z. B. durch ein Unwetter, dann sollten Sie handeln. Nehmen Sie den kleinen Vogel gleich in Ihre Obhut und wärmen Sie ihn, damit er nicht auskühlt. Nehmen Sie ihn aber nicht einfach mit nach Hause, denn die Aufzucht erfordert gute Fachkenntnisse und extrem viel Zeit. Jede Vogelart braucht ihr Futter und z. B. junge Meisen oder Amseln müssen teilweise alle 15 Minuten gefüttert werden.

Wenden Sie sich in diesen Fällen vorzugsweise an uns oder direkt an die Wildtierstation in Soltau.

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