Von Küken und Lebenszeit

Gestern urteilte das Bundesverwaltungsgericht Leipzig, dass weiterhin männliche Küken am ersten Lebenstag getötet werden dürfen, obwohl dieses Vorgehen rechtswidrig ist, was auch im Urteil deutlich vermerkt wurde. Wir sind enttäuscht, aber nicht überrascht.

45 Millionen Tiere erleiden jährlich in Deutschland dieses Schicksal, das sind statistisch gesehen, 5.100 pro Stunde oder 85 pro Minute. 

Neugeborene menschliche Babys sind noch völlig hilflos und schlafen viel. Hühner sind dagegen Nestflüchter. Wenn sie aus dem Ei schlüpfen, sind sie wach, neugierig und interagieren bewusst mit ihrer Umwelt. Egal ob sie vergast werden oder bei lebendigem Leib geschreddert, sie nehmen das völlig wahr. 

Was ist ein vernünftiger Grund?

Laut Tierschutzgesetz darf ohne vernünftigen Grund keinem Tier Leid oder Schmerzen zugefügt werden, die Frage war: sind wirtschaftliche Interessen ein vernünftiger Grund? Jein, war die Antwort. Denn es gibt bereits Verfahren das Geschlecht der Tiere im Ei zu erkennen, doch sie sind noch nicht tauglich für die Unmengen an Eiern, die täglich produziert werden. Bis das soweit ist, dürfen die Brütereien so weitermachen wie bisher. Insofern gibt es keinerlei Druck durch das Urteil, das sich wirklich schnell etwas ändern muss. Ob der Hähnchenembryo das „Entsorgen“ der Eier bewusst erlebt, wurde übrigens bisher noch nie thematisiert. 

Die Bruderhahn-Initiative

Schon seit einiger Zeit gibt es eine Intiative, bei der die männlichen Küken nicht am ersten Lebenstag getötet, sondern aufgezogen werden. Dafür werden die Eier der Tanten und Schwestern der Hähne etwas teurer verkauft. Nach 7 Wochen werden die kleinen Hähne dann allerdings auch geschlachtet und das Fleisch verkauft. Besser als nichts, denken Sie jetzt vielleicht. 

Auch private Hühnerhalter sind sich wohl nicht bewusst, dass bebrütete Eier zu 50% Hähne hervorbringen. Vor wenigen Tagen fanden wir diese vier ausgesetzten Hähne im Wald. Nun haben sie zumindest vorläufig eine Unterkunft bei der Wildtierhilfe. 

Lebenserwartung eines Huhns

Wie alt würde ein Huhn eigentlich, wenn man es einfach am Leben lässt? Lässt man einmal die Qualzüchtungen außer acht, bei denen z.B. die Brust der Masthühner so schwer wird, dass die Tiere nach 4 Wochen nicht mehr gerade stehen können, dann sind es je nach Rasse und Züchtungsgrad 8 bis 15 Jahre. 8 Jahre, das sind 2920 Tage – wir haben das einmal der derzeitigen Lebenserwartung in der Nutztierhaltung grafisch gegenübergestellt. In grün sehen Sie 8 Jahre normales Hühnerleben und die roten Säulen zeigen die tatsächliche Lebensdauer als „Nutztier“ oder als „nutzloses“ Küken. Übrigens gelten diese Zahlen im Großen und Ganzen auch für die Biohaltung. 

Sie haben es in der Hand

Es gibt keine Notwendigkeit, Hühner oder Eier zu essen. Es handelt sich dabei um eine Gewohnheit, von der jede und jeder entscheiden kann, sie beizubehalten oder nicht. Auch die Eierproduktion kommt nicht ohne das Töten von Tieren aus, denn was geschieht wohl mit einer Legehenne nach 20 Monaten, wenn ihre Eier z. B. eine zu dünne Schale haben?

Eine neue Studie hat ebenfalls gerade belegt, dass Geflügelfleisch nicht gesünder ist als rotes Fleisch. „Als wir unsere Studie planten, erwarteten wir, dass sich rotes Fleisch negativer auf den Cholesterinspiegel auswirken würde als Geflügel. Umso überraschter waren wir, als dies nicht der Fall war“, erzählt Studienautor, Dr. Ronald Krauss, Leiter der Arterioskleroseforschungsabteilung am Children’s Hospital Oakland Research Institute und Professor der Medizin an der University of California San Francisco.

Jede Mahlzeit zählt.

Wenn Sie sich zumindest gelegentlich für eine Ernährung ohne Tierleid entscheiden, können Sie bei uns z. B. das Kochbuch des deutschen Tierschutzbundes erwerben. Darin finden sie tolle Rezepte und weitere Informationen zum Thema Nutztiere und wie ihr Leben aussehen könnte.